Sibirische Kaelte

 

Sibirische Kälte

 Das etwas andere Schachprojekt

 

In der Republik Sacha, wie Jakutien offiziell heißt, bedeutet der Winter einen Überlebenskampf, denn am Kältepol der nördlichen Hemisphäre sinken die Temperaturen in Regionen, die wir uns hier nicht wirklich   vorstellen können. Auf der Insel Madagaskar herrschen zur selben Zeit nachts plus 17 Grad und tagsüber bis zu 34 Grad plus. Im Herbst 2011 entstand so die Idee zu einem Schachprojekt der Extreme mit zehn Zeitzonen Unterschied zwischen den Teilnehmern.

Kann das wirklich klappen? Genau wusste ich das erst um 7 Uhr morgens am Spieltag nach einem Blick in den Laptop: es waren bereits eine Stunde vor Spielbeginn vier  Gruppen im Chatraum und aus Madagaskar kam die kurze Mail " Bin auf dem Weg ins Goethe Zentrum". Als wir um 8 Uhr die Computer anschalteten, " erwarteten" uns  Kinder aus acht jakutischen Schulen und der Skypeanruf aus dem Sacha-Gymnasium in Jakutsk mit der vertrauten Stimme meiner Co Organisatorin Svetlana Klimova, die an der Schule als Deutschlehrerin arbeitet. Bei unserem letzten Kontakt im September, waren wir von den jakutischen Kindern mit einem Mundorgelstück in Nationaltrachten überrascht worden. Diesmal spielte Linda Hemmelrath zur Begrüßung " Amazing grace" auf der Querflöte.

Große Erleichterung bei den jungen Russisch Übersetzerinnen Alisa Draber, Angelina Hallik und Inna Schneider, denn die Chat und Skypesprache war -erstmal- Deutsch. Wir erfuhren, dass es bei der Deutschgruppe des Sacha- Gymnasiums einen Grund zum Feiern gibt: nur einen Tag vorher, hatten zwei Mädchen aus der Klasse 11 bei der Allrussischen Deutsch Olympiade die ersten beiden Plätze belegt. Herzlichen Glückwunsch!

Dann war es jedoch mir dem ruhigen Vormittag für die Übersetzerinnen vorbei, denn es begannen die Schachpartien. Genauer gesagt, Schach und Chat, denn für die Dauer der Partie besteht live Chatkontakt zwischen den Spielern und es begann ein Chat in Deutsch, Russisch, Englisch und Jakutisch. Jakutisch gehört zu den bedrohten Sprachen und so mussten wir hier natürlich passen, aber wir konnten dies unseren neuen Freunden am anderen Ende der Welt  in Russisch mitteilen.Zeitgleich wurden wir dann von einem zweiten Stadtgymnasium aus Jakutsk, dem klassischen Gymnasium, gleich auf beiden Skypeadressen gerufen. Hier erwarteten uns Tujaana, die junge Deutschlehrerin und " die deutsche Stimme des klassischen Gymnasiums", wie sich Judith Töws bei unserem letzten Kontakt vorgestellt hatte. Schnell wurden E- Mail Adressen ausgetauscht. Felix Pütz (5b) hat fast drei Stunden lang mit Alina Tarabukina ( 16 Jahre) gespielt , gechattet und geredet und fasst seinen Eindruck in zwei Worten zusammen : super gut! Sein 9- jähriger Bruder hat zugeschaut und gleich " beschlossen" auch in die Schach AG zu gehen, wenn er auf das Gymnasium kommt.

Alexander Meinert ( 8f) hatte Kontakt in Englisch zu der Schule in Batagaj. Der Ort gehört zur Region Werchojansk/ Oimjakon , dem Kältepol der nördlichen Hemisphäre, also lag die Frage nahe, was sibirische Kälte wirklich bedeutet. " Unter minus 40 Grad", lautete die Antwort zu Spielbeginn. Man hat es mir offenbar nicht angesehen, aber der Puls schoss in die Höhe: bei unter minus 40 Grad sollten diese Kinder eigentlich gar nicht in der Schule sein! Doch sie blieben und so konnte Alexander mit einem Jungen am Kältepol der Erde über Fußball fachsimpeln. Nach drei Stunden noch einmal die Frage nach der Temperatur:

Minus 50 Grad (!!)

Zwischendurch meldete sich dann auch noch Klaus Heimer , ein dort ansässiger deutscher Journalist, aus dem Goethe Zentrum auf Madagaskar. Auch er hatte Deutschschüler aus einer PASCH Schule zu Gast, die sich sehr darüber freuten , über Skype Deutsch reden zu können.

Verabschiedet haben wir uns wieder musikalisch : Mia Kons ( 7d) auf dem Saxophon mit der schottischen Volksweise " Nehmt Abschied Brüder". Ob es ein Abschied für längere Zeit von unseren neuen Freunden am anderen Ende der Welt wird, muss zu diesem Zeitpunkt offen bleiben. Frau Klimova möchte jedenfalls gerne im Frühjahr vier 15 -jährige Deutschschülerinnen als Gastschülerinnen ans Konrad- Adenauer- Gymnasium schicken und Frau Dr Barbara Aßmann, die Vorsitzende des Fördervereins, hat interessiert zugehört.

Es gibt auch schon erste Reaktionen der jakutischen Schulen. Der Schachlehrer in Tschuraptschaist total begeistert.Tamara Pavlova, die dortige Schulleiterin, ist selbst Deutschlehrerin und fühlt sich durch die Reaktion ihrer Schüler in der Idee bestätigt, ab dem nächsten Schuljahr Deutsch als Schulfach einzuführen. Großes Lob also an Christian Janorschke und Leon Wegmann ( beide 9a) ,die gegen diese Schule gespielt haben. Wenn jetzt auch noch die versprochenen Bilder kommen... Auch das  Batagaj Rätsel ist gelöst: Anna Strutschkova, die dortige Psychologin und Schachlehrerin, hat ihre Schüler besonders vorbereitet : Deutschlexikon und intensive Wiederholung der Englisch Vokabeln. Da werden halt die Regeln gedääähnt .

 

Kersten Linke

 

 

 

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